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[06.11.2016]

Dr. Karl Reinitzhuber geht neue Wege

In der Immobilienzeitung vom 27.10.2016 stellt Dr. Karl Reinitzhuber seine Pläne vor.

"Hinter mir steht kein gut geölter Apparat"



Hochtief, mfi, Unibail-Rodamco, jetzt selbstständig: Karl Reinitzhuber auf einem Foto von 2013. Im Hintergrund Bilder aus der Kunstsammlung von Reydan Weiss, der Frau des kürzlich verstorbenen mfi-Gründers Roger Weiss.

Als Deutschland-Chef von Unibail-Rodamco stand er für Projekte wie das Überseequartier in Hamburg. Seit ein paar Monaten ist Karl Reinitzhuber Berater für den Fondsinitiator ILG, trifft sich mit Kaufhof-Investor Richard Baker und plant den Bau von Mikroapartments. Ein Gespräch über neue Aufgaben.

Treffen mit Karl Reinitzhuber (49), bis Februar 2016 Deutschlandchef des Immobilienriesen Unibail-Rodamco. Es soll um seine neue Rolle als "Senior Advisor" des Münchner Fondsinitiators ILG gehen. Doch dann legt Reinitzhuber überraschend noch eine andere Visitenkarte auf den Tisch: "Senior Investment Advisor HBS Global Properties". Cool, Reinitzhuber berät Kaufhof-Investor Richard Baker! Der Mann ist für Überraschungen gut.

"Ich unterstütze HBS auf der Investmentseite. Meine Aufgabe ist es, dem deutschen Team um Lutz Rupprecht dabei zu helfen, das HBS-Portfolio aufzubauen und mit anderen Handelsimmobilien zu diversifizieren", sagt Reinitzhuber. HBS ist eine Immobiliengesellschaft, an der der Kaufhof-Eigentümer Hudson's Bay Company (HBC) die Mehrheit hält. Wichtigstes Asset von HBS: rund 40 an Kaufhof vermietete Warenhäuser im Buchwert von über 2 Mrd. Euro. Reinitzhuber hat sich unlängst mit HBC-Chef Baker getroffen und einige Tage in New York verbracht, um die Philosophie der Amerikaner kennenzulernen. Seine Aufgabe beschreibt er so: "Es geht darum, weitere Immobilien für HBS zu kaufen. Durch das Wachstum des Portfolios wird sich das Gewicht von Kaufhof im Portfolio automatisch reduzieren." Im Fokus der Amerikaner stehen so genannte Highstreet-Objekte, d.h. innerstädtische Geschäftshäuser. "Wobei wir auch ein Shoppingcenter nicht grundsätzlich ausschließen", fügt Reinitzhuber hinzu. Für jemanden, der über vier Jahre bei den Centerspezialisten mfi bzw. Unibail-Rodamco gearbeitet hat, ist das eine naheliegende Aussage.

Als nächstes spricht Reinitzhuber, der u.a. in den USA und Frankreich studiert und an der Otto Beisheim School of Management promoviert hat, über das, was er seine "eigenen Aktivitäten" nennt: den Bau von möblierten Mikroapartments für "Professionals", das heißt Berufstätige, also Leute, die Geld verdienen. Hier geht Reinitzhuber selbst ins Risiko. Mit Partnern hat er eine Liegenschaft in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofs gekauft. Ein weiteres Apartment-Haus ist in Hamburg-Harburg geplant. Was sollen die Kleinwohnungen kosten? "Vielleicht 700 Euro im Monat", antwortet Reinitzhuber. "Zum Haus gehören aber auch "community areas", d.h. Lounge, Küche, Fitnessräume, Konferenzbereich. "Das Ganze soll in ein Portfolio von Mikroapartments münden, für die ich mittelfristig einen Kapitalpartner suche. Dafür muss sich die Substanz aber erst einmal entwickeln."

Sein drittes Standbein ist ein Beratungsmandat des auf Fachmarktzentren und hybride Malls spezialisierten Fondsinitiators ILG aus München. ILG-Fonds investieren für ein breiteres Publikum z.B. in das Ringcenter Offenbach, die Stadtgalerie Eschwege oder die Giesler-Galerie in Brühl. Jüngst hat ILG einen ersten Fonds für institutionelle Investoren aufgelegt. Fühlt sich die Beschäftigung mit dem Ringcenter in Offenbach für jemanden, der für Unibail-Rodamco am Überseequartier Hamburg mitgearbeitet hat, nicht wie ein Abstieg an?

Reinitzhuber schüttelt den Kopf. "Es war eine faszinierende Aufgabe bei Unibail mit tollen Assets, aber auch Fachmarktzentren haben ihre Berechtigung. Wenn ich da einen Beitrag leisten kann, das Kundenerlebnis zu verbessern, macht das auch Spaß." Im Falle ILG treffe er auch auf ein Team mit großer Erfahrung und Einzelhandelskompetenz. "Die Zusammenarbeit mit ILG macht wirklich Freude. Bei meinen eigenen unternehmerischen Aktivitäten ist es allerdings schwieriger, da ich keine komplette Organisation habe, auf die ich mich stützen kann. Hinter mir steht kein kompletter, gut geölter Apparat mehr." Alleine zu arbeiten, ist für Reinitzhuber tatsächlich eine neue Erfahrung. Bevor er 2011 zur Unibail-Vorgängerfirma mfi kam, war er zehn Jahre bei Hochtief beschäftigt, zuletzt als Board Member der australischen Hochtief-Tochter Leighton.

Bei ILG gehe es darum, "die Positionierung der Center vorantreiben und ILG beim Aufbau des Mandatsgeschäfts für Dritte unterstützen", sagt Reinitzhuber, der in Köln lebt. Martin Brieler, Vertriebschef bei ILG, drückt es so aus: "Dr. Reinitzhuber soll auf unsere Aktivitäten mit der Brille des Centerspezialisten blicken."

Auf die im Markt viel diskutierte Frage, ob Fachmarktzentren mit einem Lebensmittelmarkt dabei sind, Shoppingcenter in der Investorengunst zu überholen, gibt der ehemalige Unibail-Manager eine differenzierte Antwort: "Was für Fachmarktzentren spricht: Der tägliche Bedarf ist nicht so sehr der Konkurrenz des Internethandels unterworfen. Das Potenzial für Wertsteigerungen ist aber nicht so groß wie bei einem dominanten, gut gemanagten Shoppingcenter."